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Was ist Rheuma?

Wenn Muskeln, Gelenke und Sehnen unerklärlich schmerzen, dann spricht man umgangssprachlich von Rheuma. Dieser Name stammt ursprünglich aus dem Griechischen und kann mit “fließen” übersetzt werden. Denn in der antiken Medizin ging man davon aus, dass Rheumatismus von im Körper herumfließenden Krankheitsstoffen verursacht wird.

Rheumatismus– medizinisch korrekt heißt es "Krankheiten des rheumatischen Formenkreises" – ist an sich keine Diagnose, sondern ein Sammelbegriff, der über 100 Arten von Erkrankungen des Bewegungsapparats zusammenfasst. Ihnen gemeinsam sind die Schmerzen und die meist damit einhergehenden Bewegungseinschränkungen. Ansonsten unterscheiden sich die verschiedenen rheumatischen Krankheiten jedoch stark. Sie lassen sich deshalb in verschiedene Gruppen einteilen, deren Anzahl unterschiedlich ist, da keine einheitliche Regelung zur Klassifikation besteht. Unter den Sammelbegriff Rheuma fallen zum Beispiel Erkrankungen wie Fibromyalgie als eine häufige Form des sogenannten "Weichteilrheumas". Rheumatische Erkrankungen betreffen nicht nur "harte" Strukturen wie Knochen, Gelenke, oder Knorpel, sondern befallen auch "weiche" Gewebe wie Muskeln, Bänder, oder Sehnen. Arthrose, Gicht und Lupus erythematodes zählen ebenfalls zum rheumatischen Formenkreis.

Rheumatische Erkrankungen beschränken sich zudem nicht allein auf den Bewegungsapparat. Fast alle Organe können von einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung betroffen sein. Es gibt zum Beispiel rheumatische Augenentzündungen, Rippenfellentzündungen, Herzmuskelentzündungen, sowie rheumatische Entzündungen der Nieren, des Darms, der Gefäße, oder der Nerven. Eine Möglichkeit ist die Gliederung in 5 Gruppen.

Autoimmunbedingte Erkrankungen

Zum einen gibt es Autoimmunkrankheiten. Von einer solchen Krankheit spricht man, wenn das Immunsystem Teile des eigenen Körpers als Fremdkörper einstuft, die es zu bekämpfen gilt. Durch die Bekämpfung der eigenen Organe durch das Immunsystem kommt es zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen.

Spätestens seit der TV-Serie Dr. House dürfte allen die Lupus bekannt sein. Doch mit nur 2000 Betroffenen in der Schweiz ist dies keine häufige Autoimmunkrankheit. Anders sieht es bei Arthritis aus. In Deutschland schätzt man die Zahl der Erkrankungen auf 800.000, wobei Frauen rund dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. An der rheumatoiden Arthritis können Menschen aller Altersgruppen erkranken. Häufig ist ein Auftreten zwischen 35 und 45 Jahren. Es können jedoch auch Kinder betroffen sein; dies nennt man dann eine juvenile idiopathische Arthritis. Die Krankheitshäufigkeit nimmt mit steigendem Alter zu. Als Gipfel der Neuerkrankungsrate wird bei Frauen das Alter zwischen 55 und 64 Jahren, bei Männern das Alter zwischen 65 und 75 Jahren gesehen. Die chronische Entzündung der Gelenke geht mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher. Nicht zu verwechseln ist die rheumatische Arthritis mit der Arthrose, die zwar ebenfalls die Gelenke befällt, jedoch zur Kategorie der degenerativen rheumatischen Erkrankungen gehört.

Gut ein Prozent der europäischen Bevölkerung erkrankt an Morbus Bechterew. Die auch als Spondylitis ankylosans bekannte Autoimmunerkrankung befällt die Wirbelsäule und führt zu Wucherungen und Versteifungen.

Degenerative Erkrankungen

Die degenerativen Erkrankungen machen die meisten Fälle rheumatischer Erkrankungen aus. Dabei handelt es sich um die langsame fortschreitende übermässige Abnutzung von Gelenkknorpeln, in deren Folge irgendwann die Knochen direkt aufeinander reiben, was heftige Schmerzen verursacht und Bewegungseinschränkungen mit sich bringt. Der Sammelbegriff für diese Art der rheumatischen Erkrankungen heißt Arthrose. Dieser Name wird je nach betroffenem Gelenk entsprechend ergänzt.

Stoffwechselstörungen

Stoffwechselstörungen, die mit rheumatischen Beschwerden einhergehen, werden von vielen ebenfalls zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt. Zu den bekanntesten Arten von Rheuma, die unter diese Kategorie fallen, gehört Gicht. Die im Fachbegriff als Urikopathie bekannte entzündliche Gelenkserkrankung ist vor allem bei Männern verbreitet. Sie entwickelt sich aus einer sogenannten Hyperurikämie, einer erhöhten Konzentration von Harn im Blutkreislauf. Eine Hyperurikämie stellt sich immer dann ein, wenn das Gleichgewicht zwischen Bildung und Ausscheidung der Harnsäure im Körper gestört wird. Dies wiederum ist einerseits auf die Genetik, andererseits auf die Ernährung zurückzuführen.

Weichteilrheumatismus

Statt von Weichteilrheumatismus kann man auch von extraartikulärem Rheuma sprechen. Darunter werden jene rheumatischen Krankheiten verstanden, welche nicht die “harten” Strukturen wie Knochen und Gelenke, sondern etwa Sehnen, Nerven, Bänder, Muskeln oder Bindegewebe befallen.

Unterschieden wird zwischen generalisiertem und lokalisiertem Weichteilrheuma. Von Letzterem spricht man, wenn eine bestimmte Körperstelle betroffen ist. Bei Ersterem brechen die Schmerzen über den ganzen Körper verteilt aus. Man spricht auch von Fibromyalgie, zu Deutsch von Faser-Muskel-Schmerz (FMS). Diese ist sehr schwer zu diagnostizieren, weil Betroffene über diffuse chronische Schmerzen aber auch Depressionen und Schlafstörungen klagen. Oft dauert es mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, bis eine Diagnose gestellt werden kann. Fibromyalgie ist eine häufige Erkrankung. Die Zahl der Erkrankten nimmt ständig zu. Mittlerweile sind weit über 2 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Es sind mehr Frauen als Männer, mitunter sogar Kinder von diesem Krankheitsbild betroffen.

Anzeichen und Symptome

Rheumatische Erkrankungen kommen in so vielen Formen daher, dass sich auch ihre Anzeichen und Symptome stark unterscheiden.

Bei autoimmunbedingten rheumatischen Erkrankungen sind erste Anzeichen meist noch sehr diffus. Betroffene klagen etwa über Müdigkeit und Fieber. Konkretere Anzeichen sind das Anschwellen und die Entzündung von Gelenken. Bei Arthritis sind dies zu Beginn meist die Finger oder die Zehen. Sie schmerzen auch im Ruhezustand und reagieren empfindlich auf Druck. Oft fühlen sich die betroffenen Gelenke warm an, können teilweise auch errötet sein. Dazu kommt die Morgensteife, bei der die betroffenen Gelenke nach dem Aufstehen für mindestens eine halbe Stunde unbeweglich bleiben. Nach einer Weile kommen weitere Gelenke hinzu, etwa die Ellenbogen oder die Knie, und die Entzündung greift auch auf Sehnenscheiden und Schleimbeutel über.

Arthrose äussert sich am Anfang meist durch Belastungs- oder Ermüdungsschmerzen sowie Anlaufschmerzen am Morgen. Daraus wird mit der Zeit ein Dauerschmerz. Weitere Hinweise auf eine Arthrose können ein Anschwellen und Erwärmen von Gelenken sein. Ausserdem kann es sein, dass sie knirschen oder knacken, was aber auch bei gesunden Gelenken vorkommen kann.

Weichteilrheuma äussert sich durch diffuse Muskelschmerzen in Gelenknähe in beiden Körperhälften. Betroffene empfinden die Symptome zuweilen als heftigen Muskelkater oder als einen schweren Mantel. Auch hier kommt es oft zu Morgensteife. Die Liste weiterer Symptome ist lang und breit gefächert: Sie umfasst unter anderem Schlafprobleme, Müdigkeit, Leistungsschwäche, kalte Hände und Füsse, Seh- und Hörstörungen, Depressionen, Schwindelgefühle und Atemprobleme.

Ein Gichtanfall wiederum äussert sich in einer akuten Gelenkentzündung verbunden mit heftigen Schmerzen, die einen meist im Schlaf ereilen. Am häufigsten ist zuerst der grosse Zeh davon betroffen. Dieser ist geschwollen, gerötet und reagiert empfindlich auf Berührung. Oft ist ein solcher Anfall auf die Ernährung zurückzuführen und erfolgt etwa nach einem üppigen, fleischreichen Abendessen. Ist die Harnkonzentration im Brutkreislauf auf Dauer zu hoch, kommt es in immer kürzeren Abständen zu solchen Anfällen und eine chronische Gicht entsteht.

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